Gelsenkirchen bringt ein Klima-Sofortprogramm an den Start

Förderprogramme für Fassaden- und Dachbegrünung, Einsatz von Photovoltaik und Flächenentsiegelung

Gelsenkirchen. Die Vorbereitungen für das neue Klimakonzept der Stadt Gelsenkirchen laufen auf Hochtouren. Verschiedene Arbeitskreise erarbeiten Programme und Maßnahmen, die ab 2023 umgesetzt werden sollen. Die Verantwortlichen für das Klimakonzept und für den Masterplan Mobilität arbeiten dabei Hand in Hand, denn das wichtige Thema „Klimafreundliche Mobilität“ berührt beide Fachbereiche. Um bereits jetzt schon mit den vorhanden Ressourcen Impulse für mehr Klimaschutz zu setzen, hat sich die Stadt Gelsenkirchen entschlossen, nicht die Verabschiedung des Gesamtpaketes abzuwarten, sondern ein Klima-Sofortprogramm noch für 2022 zu starten.

Oberbürgermeisterin Karin Welge: „Wir arbeiten mit Nachdruck an dem Gelsenkirchener Klimakonzept 2030/2050, an einem Fahrplan für die kommenden Jahre, der ja noch in diesem Jahr dem Rat vorgelegt werden soll. Aber weil die Dinge jetzt besser werden müssen, nicht erst in ferner Zukunft, habe ich schon in meiner Haushaltsrede ein Gelsenkirchener Sofortprogramm für das Klima angekündigt, das wir heute vorlegen. Kurz: Wir nehmen Geld aus unserem städtischen Haushalt in die Hand, um die Fassaden- und Dachbegrünung an Gelsenkirchener Häusern zu fördern, um den Einsatz von Photovoltaik voranzubringen, um Flächen zu entsiegeln und neue Versiegelung zu vermindern, um klimagerecht zu bauen.“ 

Den wichtigsten Teil des Klima-Sofortprogramms bilden neue Förderprogramme der Stadt, die am Dienstag in den Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit, Klimaschutz eingebracht wurden. Dadurch sollen Bürgerinnen und Bürger, in Teilbereichen aber auch Gewerbeunternehmen, möglichst direkt bei Klimamaßnahmen unterstützt werden. Für den Austausch von Kohleheizungen sind pro Wohneinheit 1.000 Euro als Förderung zu erhalten plus 1.000 €, wenn zum ersten Mal eine Zentralheizung anstelle eines Einzelofens installiert wird. Das Förderprogramm für Dach- und Fassadenbegrünung sowie Entsiegelung fördert verschiedene Maßnahmen: Für neu errichtete Dach- und Fassadenbegrünungen können bis zu 2.000 Euro beantragt werden, die Begrünung von Einzelgaragendächer wird hierbei pauschal mit 500 Euro unterstützt.

Entsiegelungen, insbesondere der Rückbau sog. „Steingärten“, werden mit bis zu 2.500 Euro gefördert. Bei der Errichtung einer Photovoltaik-Anlage kann der städtische Zuschuss bis zu 2.000 Euro betragen und sich um bis zu 1.000 Euro erhöhen, wenn die Anlage mit einer Dachbegrünung kombiniert wird. Mieterinnen und Mieter werden ebenfalls dabei unterstützt einen aktiven Teil zur Energiewende beizutragen: Wer ein Stecker-Solargerät beziehungsweise Balkon-Solarmodul installiert, erhält einen einmaligen Zuschuss von 100 Euro.

Klimaschutz kann nur dann gut funktionieren, wenn die gesamte Stadtgesellschaft mitmacht. Das betrifft insbesondere die Gelsenkirchener Unternehmen. „Der Klimaschutz wird für uns in den nächsten Jahren eine der zentralen Herausforderungen. Eine Stadtverwaltung wird diese große Aufgabe nicht ganz alleine meistern können. Dafür braucht es den engen Schulterschluss einer ganzen Stadtgesellschaft und viele engagierte Akteure in dieser Stadt, die den Prozess tragen und mit begleiten“, so Stadtbaurat Christoph Heidenreich. „Deshalb hat die Stadt Gelsenkirchen gemeinsam mit dem Wissenschaftspark das KlimaForum Gelsenkirchen gegründet. Unter diesem Dach können sich Unternehmen und Einrichtungen zum Thema Klimaschutz aktiv einbringen und sich vernetzen. So können vorhandene gute Beispiele schnell weitere Kreise ziehen und wir so gemeinsam auf dem Weg zur Klimaneutralität vorankommen.“

Die Stadt Gelsenkirchen selbst wird dabei eine Vorbildfunktion wahrnehmen. Hierfür wird beispielsweise an Energiestandards für städtische Neubauten und Sanierungen kommunaler Liegenschaften gearbeitet. Als ein erster Schritt soll noch in diesem Jahr auf dem Dach der Kita Rheinische Straße eine Photovoltaik-Anlage sowie eine Dachbegrünung installiert werden. Weitere städtische Gebäude sollen folgen. Mit den „klimarelevanten“ Unternehmen mit städtischer Beteiligung wird abgestimmt, dass jeweils eine eigene Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategie erarbeitet wird.

Zu Klimaschutz und Klimaanpassung kann auch die Gestaltung von Vorgärten beitragen. Daher wird auch in diesem Jahr der Vorgartenwettbewerb der Stadt Gelsenkirchen in Kooperation mit der Stadt Herten durchgeführt. Denn auch die kleinsten begrünten Flächen im Stadtgebiet wirken sich positiv auf das sogenannte Mikroklima aus und leisten einen Beitrag, Wetterextremen und steigenden Temperaturen zu begegnen. Die Liste der positiven Effekte eines begrünten Vorgartens ist lang und deshalb werden ab dem 30. April die klimafreundlichsten Vorgärten und Hinterhöfe als gute und vorbildliche Beispiele gesucht. Selbstverständlich gibt es auch dieses Jahr wieder einige Preise zu gewinnen. 

OB Karin Welge: „Wir setzen die städtischen Förderprogramme und weiteren Bausteine des Sofortprogramms Klima auf trotz knapper Mittel. Das ist für uns ein finanzieller Kraftakt. Wir tun das in der Erwartung, dass der Bundestag ebenfalls handeln wird. Aber ich sage es auch ganz klar: Wir warten nicht auf andere. Dieser Umbau hat Vorrang, wir nehmen das Heft des Handelns in die Hand, und zwar jetzt!“

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