Schöne neue Welt

WAZ Gelsenkirchen vom 6. Juni 2008:

Start der Solarkollektorfertigung bei Vaillant

Von Michael Muscheid

Unternehmenschefs neigen ja selten dazu, ins Schwärmen zu geraten. Gestern aber war so ein Tag. Da wurde bei Vaillant an der Emscherstraße die Produktion von Solarkollektoren aufgenommen, und Dieter Müller, einer von drei Geschäftsführer der Gruppe, überbot sich selbst mit Superlativen. Von einem "Meilenstein für die Vaillant-Gruppe" sprach er, von einem "wirklich historischen Moment" und von einem "Schritt in eine neue Solar-Welt".

Damit ist sie nun wohl endgültig Vergangenheit, die "Eiszeit" an der Emscherstraße, die ihren Höhepunkt im Winter 2003/2004 erreichte, als der Remscheider Heizgeräte-Hersteller die Schließungspläne für sein Werk in Erle bekannt gab; nach einer Welle der Solidarität und einem monatelangen Arbeitskampf einigten sich Geschäftsführung und Gewerkschaft auf einen Kompromiss: Gut 100 der 240 Arbeitsplätze wurden wie geplant abgebaut, sollte die Gruppe aber in naher Zukunft Produkte auf Basis der erneuerbaren Energien entwickeln, so das Versprechen damals, dann sollten nur in Gelsenkirchen in Serie gehen.

Die Chefetage hielt Wort. Vor zwei Jahren stieg Vaillant in Erle in die Herstellung von Wärmepumpen ein, und gestern drückte das Führungstrio gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Christa Thoben auf einen roten Knopf, um die Solarkollektor-Produktion zu starten. 5,2 Millionen Euro nahm Vaillant für die vollautomatische, robotergesteuerte Linie in die Hand, jährlich sollen dort 100 000 Kollektoren mit einer Gesamtfläche von etwa 250 000 Quadratmetern hergestellt werden.

15 neue Mitarbeiter arbeiten in der neuen Linie, ob weitere hinzukommmen, hänge davon ab, wie gut sich die Produkte verkaufen, sagte Firmenchef Müller. Der Betriebsrat zeigt sich zufrieden über die neuen Jobs; er rechnet hoch, dass fast wieder so viele Menschen für Vaillant arbeiten wie vor der Entlassungswelle. Darunter wieder viele von denen, die seinerzeit (mit einer Abfindung) gehen mussten.

Ob es weitere Produkte rund um erneuerbare Energien geben wird? "Die Reise geht weiter", so formulierte es Müller, freilich ohne ins Detail zu gehen. Wie wäre es mit einem Einstieg in die Fotovoltaik? Vaillant habe sich "umgeguckt, was das wohl kosten würde", gab der Geschäftsführer zu, und das Ergebnis hieß: bis zu 100 Millionen Euro. Damit, das war zwischen den Sätzen herauszuhören, liegt das Projekt erst mal auf Eis.

Die in Gelsenkirchen aufgebaute Sparte aber wird weiter wachsen, ist sich das Führungstrio sicher. Im Vergleich zum Vorjahr kletterten die Umsätze mit Produkten zur Nutzung regenerativer Energien um 20 Prozent auf 120 Mio Euro. Dabei soll's nicht bleiben. Einen ähnlichen Anstieg erwarte er für 2008, so Müller, "wenn nicht noch mehr".

Mal kucken: Vielleicht verkündet der Unternehmenschef ja bald neue Superlative.

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