Wind im Rücken

WAZ Gelsenkirchen vom 18. September 2008

Betriebsrundgang: BBB Umwelttechnik

Von Michael Muscheid

In Wattenscheid wurde er groß, spielte als Kind auf den Ückendorfer Halden und ließ sich oben den Wind um die Nase wehen. Nun schließt sich der Kreis: Im Gründerzentrum an der Leithestraße, einen Steinwurf von den Plätzen der Jugend entfernt, sitzt Joachim Binotsch in seinem Büro und managt Windkraftprojekte. Und das erfolgreich: „Wir sind in einer sehr optimistischen Stimmung." Mit dem „Wir" schließt er die beiden anderen Bs der BBB Umwelttechnik ein: seinen Bruder Gerhard Binotsch und den dritten Teilhaber, Klaus Bergmann. Das Trio setzt auf Expansion.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – wo passt diese Floskel besser als bei den Binotsch-Brüdern? Joachim, der jüngere, lebte Mitte der 90er Jahre in Spanien, und als Gerhard, der ältere, zu Besuch war in Saragossa, fragte dieser: „Bläst hier immer so ein Wind?" Joachim, der Diplom-Geograph, bejahte – und Gerhard, der Luft- und Raumfahrt-Techniker, kam ins Grübeln. Am Ende wurde daraus eine Idee, dann ein Projekt geboren: der Windpark Grisel, 22 Anlagen groß und mit einer Gesamtleistung von 16,5 Megawatt. „Spanien", sagt Joachim Binotsch, „war damals ein völlig neuer Markt, und wir waren das erste deutsche Unternehmen, das Windkraftanlagen in Spanien entwickelt und gebaut hat." Als absoluter Newcomer, fügt er an.

Heute, zwölf Jahre später, ist das anders. Da gehört BBB zu den erfahrensten Unternehmen auf dem noch vergleichsweise jungen Markt, berichtet der 37-Jährige – weltweit. Seit 2003 freilich konzentriert sich das Büro auf die Planung und Bewertung von Windkraftprojekten im In- und Ausland, die Ingenieure nehmen dabei im Auftrag anderer Unternehmen – Projektentwickler, Energieversorger oder Investmentfonds – etwa die Wirtschaftlichkeit von geplanten Windanlagen und -parks unter die Lupe. Selber bauen will BBB Windparks nur noch in Ausnahmefällen. „Gebranntes Kind scheut das Feuer", erklärt Joachim Binotsch – und verweist auf die Klagewelle von Kommunen gegen Windanlagen, die 2003 hochschwappte und seinem Haus zusetzte. Noch heute seien Klagen anhängig, weil Städte, darunter Mülheim und Bochum, seinem Haus Baugenehmigungen versagt hätten.

Schnee von gestern. Als Dienstleister, sagt Binotsch, habe sich das Unternehmen einen guten Ruf erarbeitet, darauf will er aufbauen und expandieren. Die Chancen stünden gut: „Auf dem Markt gibt es ein immenses Wachstum", stellt er nüchtern fest, „China gibt Gas, und auch der Nahe Osten wacht auf."

Was noch fehlt? Vielleicht eine Windanlage auf der Halde nebenan.

Frischen Wind brachte die BBB Umwelttechnik Mitte der 90er Jahre nach Spanien. Als erstes deutsches Unternehmen entwickelte und baute das Ückendorfer Büro in Spanien den Windpark Grisel.

 

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